Tag 64: Zieleinlauf in Bluff (10 km)

Nachdem wir uns den Highway gespart haben, war unser Zieleinlauf heute noch richtig schön. Wir haben auf dem Foveaux Walkway den Bluff Hill umrundet. Es war bewölkt und es ging ein stürmischer Wind, aber das ist dort wohl meistens so. Faszinierend, wie unterschiedlich das Meer an der Nordküste und der Südküste der Südinsel aussieht. Im Queen Charlotte Sound, wo wir gestartet sind, ist das Wasser türkisblau und hier unten ist es eher blaugrau und die See rau, ähnlich wie in Nordeuropa.

Bevor wir loslaufen konnten, sind wir erst noch ein Stück aus Invercargill hinausgelaufen, um dann Richtung Bluff zu trampen. Wer Invercargill nicht gesehen hat, hat übrigens nicht viel verpasst - wobei uns der Queens Park sehr gut gefallen hat. Wir hatten auch schnell Glück und ein junger Mann hat uns mitgenommen und uns am Startpunkt des Wanderwegs abgesetzt. Es ging zuerst über Wiesen hoch über den Klippen und dann auf einem schön angelegten Gehweg oberhalb der Küste entlang. Wir sind am Lookout Point vorbeigekommen, an dem früher die Walfänger nach Beute Ausschau gehalten haben. Die Foveaux Strait, die die Südinsel von Stewart Island trennt, ist berüchtigt für ihr schlechtes Wetter und früher sind dort viele Schiffe gesunken.

Auf dem Foveaux Walkway
Auf dem Foveaux Walkway
Ganz schön weit gekommen ...
Ganz schön weit gekommen ...
Und wohin laufen wir morgen?
Und wohin laufen wir morgen?
Genug Energie zum Herumkaspern
Genug Energie zum Herumkaspern

Obwohl dieses letzte Stück noch einmal schön war, waren wir uns beide einig, dass wir schon in der Martin's Hut die eigentlichen Abschlussgefühle hatten und uns vom Weg verabschiedet haben. Invercargill ist einfach nicht wirklich ein Höhepunkt und der Highway nach Bluff natürlich sowieso nicht. Der offizielle Endpunkt ist ein Schild mit Wegweisern am Stirling Point, das zwar nett ist, aber auch nichts mit dem Te Araroa zu tun hat. Außerdem fährt alle zwei Minuten ein Auto vor und ein paar Touristen steigen aus und machen Fotos. Warum wir bei der Ankunft freudig herumgesprungen sind, haben sie natürlich nicht verstanden und uns nur verwundert betrachtet. Dann kam allerdings noch Peter aus Masterton vorbei, der beide Inseln mit dem Rad überquert hatte. Er war eigentlich gestern schon angekommen, hatte aber vergessen, Fotos zu machen, und war deshalb heute noch mal in Bluff. Mit ihm sind wir gleich ins Gespräch gekommen, er hat uns noch auf einen Kaffee eingeladen und dann mit zurück nach Invercargill genommen.

Stirling Point in Bluff - der südlichste Punkt auf der Südinsel und Endpunkt unserer großen Reise
Stirling Point in Bluff - der südlichste Punkt auf der Südinsel und Endpunkt unserer großen Reise

Zurück in Invercargill haben wir uns ein Festmahl gekocht - Hühnchen in Zitronen-Weißwein-Sauce mit Brokkoli und Reis. Dazu gab es einen guten Weißwein. Morgen werden wir schon um sechs Uhr abgeholt, weil unser Flug nach Wellington um sieben Uhr geht, aber auf ein Bier ins Pub schaffen wir es trotzdem noch. Ein großes Abenteuer schließt man schließlich nicht jeden Tag ab.

Zur Statistik

Ein paar Daten dürfen natürlich auch nicht fehlen. Der Te Araroa ist auf der Südinsel, zumindest momentan, offiziell 1.309 km lang. Allerdings verändert sich der Weg immer noch jedes Jahr, da weiter daran gearbeitet wird, Straßen zu vermeiden und neue Wege anzulegen. Wir haben in den letzten 64 Tagen insgesamt 1.220 km davon zu Fuß zurückgelegt. Die wegen Hochwasser und Unlust auf Straßen übersprungenen 89 km holen in den nächsten zwei Wochen auf der Nordinsel nach.

Was wir vermissen werden ...

  • Die Freiheit und Einsamkeit auf dem Trail
  • Jeden Tag neue Abenteuer zu erleben
  • Viel Zeit zu zweit zu haben (es wurde gelegentlich geschnattert, aber nie wirklich gestritten)
  • Die wunderschöne Natur Neuseelands
  • Ruhe, Frieden und Stille
  • Die Hütten, die immer eine willkommene Zuflucht waren
  • Flussüberquerungen (wir haben sie irgendwie liebgewonnen)
  • Den Tussock, weil er so schön aussieht

Was wir nicht so sehr vermissen werden ...

  • Die Entfernung zu unseren Familien und Freunden
  • Sandflies, die alten Biester
  • Tütenessen (ging gut, so lange wir unterwegs waren; geht jetzt gar nicht mehr)
  • Schmerzen in Zeh und Schultern (in Luis Fall)
  • Den Tussock, weil man ständig über ihn stolpert

Wir können so eine lange Wanderung wirklich nur jedem empfehlen. Wie sonst nie im Leben kann man sich an jeden Tag gut erinnern. Wir haben es ausprobiert und können die letzten zwei Monate wirklich im Kopf noch einmal wandern. Einerseits vergeht die Zeit schnell, weil man so viel erlebt, andererseits behält man so viel in Erinnerung wie sonst auf keiner anderen Reise. Es müssen ja auch nicht gleich zwei Monate sein. Für Fernwandereinsteiger empfehlen wir den West Highland Way in Schottland, der schon für so manchen die Einstiegsdroge war.

Unser Weg in Daten

  • Nächte in Hütten: 27
  • Nächte in Backpacker-Hostels: 23
  • Nächte im Zelt: 13
  • Meistgesungene Lieder: Frankenlied, Country Roads, Un'estate italiana
  • Pausentage: 10
  • Kilometerschnitt pro Tag ohne Pausentage: 22,6 km