Tag 51 - 56: Von Queenstown nach Te Anau (99 km)

Einen Tag später als erwartet sind wir vorhin in Te Anau angekommen. Obwohl auch dieser Ort beliebt bei Touristen ist, da hier einer der viel gerühmten Great Walks losgeht, konnten wir in einem Bachpacker-Hostel noch ein Doppelzimmer ergattern, sind wieder frisch gewaschen und der Koch ist schon auf dem Weg zum Einkauf für unser Abendessen. 

Da dachten wir in Queenstown schon, wir wären fast da und es könnte nichts mehr schiefgehen, da hat uns noch einmal zu viel Wasser einen kleinen Strich durch die Rechnung gemacht. Aber wie so oft hat alles zwei Seiten...

Tag 51: Radeltour um Arrowtown

Irgendwie wollten wir Queenstown nicht schon nach einem Tag wieder verlassen, ohne irgendetwas in der Gegend unternommen zu haben. Besser als Queenstown hat uns aber Arrowtown gefallen, vielleicht, weil wir Menschenansammlungen einfach nicht mehr gewohnt sind. Also haben wir uns morgens in den Bus gesetzt und sind zurück gereist. In Arrowtown haben wir uns Moutainbikes gemietet und sind damit Richtung Gibbston Valley geradelt, wo es mehrere Weingüter gibt. Auf dem Weg dorthin fährt man über die berühmte Bungy-Brücke von Queenstown. Wir hatten kein Interesse, selbst für einen Haufen Kohle hinunter zu hüpfen, haben uns das Spektakel aber eine Weile angeschaut. 

Anschließend haben wir die Gibbston Valley Winery besucht und an einer Führung teilgenommen, die noch interessanter gewesen wäre, wenn die Gruppe Hühner vom Jungesellinnenabschied, die auch dabei war, zwischendurch mal den Schnabel gehalten hätte. Die Weine, die wir dann probieren durften, waren sehr gut. Das Weingut produziert nur in sehr kleinen Mengen und exportiert nicht, hat aber schon Preise gewonnen. 

Später in Arrowtown waren wir noch einmal im Biergarten vom "The Fork und Tap", haben einen Pie verspeist und durften durch ein Teleskop, das ein Mann im Park aufgebaut hatte, die Sonne anschauen. 

Da unser Hostel in Queenstown keine Betten mehr frei hatte, sind wir für die letzte Nacht dort mit unserem Zelt in den Garten gezogen. Leider hat es abends angefangen stark zu regnen und unser Zelt hat an den Nähten nicht ganz dicht gehalten. Lui hat immer wieder Tropfen auf den Kopf bekommen und an meinen Füßen hat sich eine kleine Pfütze gebildet. Dafür haben wir aber nicht mal so schlecht geschlafen. 

Mit dem Mountainbike im Gibbston Valley
Mit dem Mountainbike im Gibbston Valley
Weinprobe
Weinprobe

Tag 52: Greenstone Carpark bis Greenstone Hut, 11 km

Von Queenstown aus mussten wir ans andere Ufer des Lake Wakatipu. Es gibt einen Shuttlebus, der allerdings 55 Dollar pro Nase kostet. Wir wussten, dass man bis Glenorchy relativ leicht eine Mitfahrgelegenheit findet und haben gehofft, dass uns auf den restlichen 35 Kilometern dann auch noch jemand aufsammeln würde, weil am Parkplatz, zu dem wir mussten, noch andere beliebte Wanderungen losgehen. 

Kaum standen wir nach dem Frühstück 30 Sekunden an der Straße, hat auch schon ein Auto angehalten. Tyler aus Las Vegas, der in Queenstown für eine christliche Jugendorganisation arbeitet, hatte einen freien Tag und wollte sich die Gegend anschauen. Letztendlich hat er uns nicht nur bis Glenorchy, sondern den ganzen Weg zum Parkplatz gebracht und musste dabei sogar noch mit seinem gerade neu gebraucht gekauften Auto drei Bäche überqueren, durch die sich einige andere nicht getraut haben. Bevor wir uns verabschiedet haben, hat er noch für Luis Fuß gebetet. Da kann also auch nichts mehr schiefgehen. 

Der Weg zur Greenstone Hut war wunderbar ausgebaut und führte an Wasserfällen vorbei und über Brücken durch den Wald. So waren wir schon bald an der Greenstone Hut und da es in Strömen geregnet hat, wollten wir eine kurze Pause machen und dann weiter bis zur Taipo Hut gehen. Die Greenstone Hut war die luxuriöseste, die wir bisher auf unserem Trail gesehen haben, auch wenn die Hütten auf den "Great Walks" wohl noch besser ausgestattet sind. Es gab sogar richtige Toiletten mit Spülung und einen Ranger, der immer vor Ort ist, die Hüttenpässe kontrolliert und morgens den Wetterbericht aufhängt.

In der Hütte haben wir Gwenaëlle und Gabriel aus der Schweiz kennen gelernt, die den Te Araroa in Richtung Norden gehen. Wir haben Tipps ausgetauscht und uns so nett unterhalten, dass wir beschlossen haben, in der Hütte zu bleiben, auch wenn es erst Nachmittag war. Der Regen hat sicher auch zur Entscheidung beigetragen und wir haben uns ausgerechnet, dass wir es immer noch in vier Tagen bis Te Anau schaffen könnten. Auch die anderen Leute in der Hütte waren nett (Katja, falls du das hier liest, danke noch mal für das Gas! Haben wir dann doch sehr gut brauchen können.) und so hatten wir einen entspannten Nachmittag ... allerdings mit Folgen.

Wasserfall am Greenstone River
Wasserfall am Greenstone River

Tag 53: Greenstone Hut bis Pond Burn und zurück, 7 km

Über Nacht hat es weiter kräftig geregnet, aber wir haben uns in der Früh trotzdem bester Dinge auf den Weg gemacht. Der Weg stand an einigen Stellen ganz schön unter Wasser, aber wir wussten, dass wir keine großen Flüsse zu überqueren hatten. Leider braucht es nach starkem Regen jedoch gar keinen großen Fluss, um einen aufzuhalten: Nach einer Dreiviertelstunde standen wir vor einem Bach mit dem beeindruckenden Namen Pond Burn, der zu einem reißenden Fluss angeschwollen war. Schon im ersten Moment wussten wir, dass es schwierig werden würde, auf die andere Seite zu kommen, zumindest an der markierten Stelle. Ein paar Meter bachabwärts lag ein umgefallener Baum im Bachbett und wir wollten versuchen, uns daran hinüber zu ziehen. Für den Lui hat das auch funktioniert, das Wasser ging ihm an der tiefsten Stelle aber bis zum Bauch und er musste seine gesamte Kraft aufwänden, um sich gegen die Strömung zu stemmen. Ich habe es am Rand kurz probiert, wir haben aber schnell gemerkt, dass es zu riskant für mich wäre, die tiefste Stelle zu überqueren. Vielleicht hätte ich mich halten können, wenn aber ein Stein unter den Füßen wegrollt oder ein Ast von oben gegen einen gespült wird, verliert man das Gleichgewicht und wird mitgerissen. Nass bis auf die Unterhose haben wir uns also geschlagen gegeben und sind schnell zurück in die Greenstone Hut getrabt.

Land unter auf dem Wanderweg
Land unter auf dem Wanderweg
Der wilde Pond Burn
Der wilde Pond Burn

Eiji, der Ranger, meinte, dass es im Laufe des Tages aufhören müsste zu regnen und dass der Bach am nächsten Tag passierbar sein sollte. Wir haben ihm unsere Fotos gezeigt und er hat die Stelle zuerst überhaupt nicht erkannt. Er sagte, der Pond Burn wäre normalerweise ein glasklares Bächlein, das man trockenen Fußes überqueren kann. 

Tja, wir haben uns natürlich schon geärgert, vor allem, weil wir in Queenstown schon Flüge nach Wellington für den 31. gebucht hatten. Wir waren ja der Meinung, jetzt könnte uns nichts mehr aufhalten. Man sollte sich einfach nicht zu sicher sein!

Dann hat auch noch eine Achtergruppe, diesmal Neuseeländer, die Hütte gestürmt - keine sehr angenehmen Zeitgenossen. Sagen wir einfach, sie haben nicht nur einen unserer Sinne belastet. Lui hat Ohropax getragen, um sich den Tag mit Lesen vertreiben zu können. 

Die Sache hatte aber auch positive Seiten: Wir haben Jonathan, Fernah, Judith und Ben aus Wellington kennen gelernt und festgestellt, dass wir viele gemeinsame Interessen haben. Jonathan hat dasselbe Zelt wie wir und hat uns Pappnasen gesagt, dass wir die Nähte mit Silikon versiegeln müssen, dann haben wir auch das Tropfproblem nicht mehr. Außerdem haben sie uns netterweise zu sich eingeladen, wenn wir nach Wellington kommen. Judith und Ben wiederum reisen in unserem Frühjahr durch Europa und haben natürlich eine Einladung ins schöne Tutzing. 

Am Nachmittag hat der Regen nachgelassen und schließlich aufgehört, sodass wir uns für den nächsten Tag Chancen ausgerechnet haben, den mächtigen Pond Burn zu besiegen. 

Tag 54: Greenstone Hut bis Careys Hut, 28 km

Wie die Überschrift schon verrät, haben wir es am nächsten Morgen über den Bach geschafft, und zwar völlig problemlos. Wir waren also wieder auf dem Weg und froh, dass wir gewartet hatten. Der Weg bis zur Taipo Hut war für uns nämlich einer der schönsten Abschnitte überhaupt, vor allem, weil der viele Regen der Vortage auf den Gipfeln als Schnee gefallen war. Wir sind durch lichte Buchenwälder und durch ein Flusstal gewandert und haben dabei ab und zu klare Gebirgsbäche überquert, die kein Problem mehr darstellten, aber noch so viel Wasser hatten, dass es interessant blieb. 

Letzte Wolkenreste nach dem Dauerregen
Letzte Wolkenreste nach dem Dauerregen
Diesmal lässt er uns durch
Diesmal lässt er uns durch
Schnee auf den Gipfeln
Schnee auf den Gipfeln
Wanderspaß
Wanderspaß
Durchs Flusstal zur Taipo Hut
Durchs Flusstal zur Taipo Hut

Die Taipo Hut hätte uns gut gefallen, aber wir waren natürlich im Verzug und mussten weiter. Auf dem Weg haben wir Graeme getroffen, der den Weg nach Norden geht. Wir treffen jetzt immer mehr Te Araroa-Wanderer, die uns entgegen kommen. Wahrscheinlich haben sie Weihnachten und Silvester noch zu Hause verbracht und sind dann in Bluff gestartet. Das ist immer nett, weil man Tipps zu Weg und Hütten austauschen kann.

In der nächsten Hütte, der Boundary Hut, haben wir eine kurze Pause eingelegt. Man kann mit Geländefahrzeugen dorthin fahren und irgendwelche Idioten haben vor einer Weile die Hütte beschädigt und auf das Klohäuschen geschossen. Da fragt man sich schon. Freiwillige hatten den Schaden schon repariert, aber so einladend fanden wir die Hütte trotzdem nicht, da überall Kippen, Glasscherben und Kronkorken herumlagen. Wir wollten sowieso weiter zur Careys Hut und haben uns wieder auf den Weg gemacht. 

Dort angekommen waren wir froh, die Hütte für uns zu haben, da dort oft Leute mit Quads, Booten oder Motorrädern vorbeikommen. Nach einem Bad im North Mavora Lake haben wir es uns gemütlich gemacht und hatten nur Gesellschaft von einer Maus, die nachts geräuschvoll geraschelt hat.

Spaß im Bach
Spaß im Bach

Tag 55: Careys Hut bis Kiwi Burn Swingbridge, 23 km

Über Nacht sind die Temperaturen noch einmal gefallen und morgens war es eiskalt in der Hütte. Ein heißes Porridge hat uns aufgebaut und wir haben uns bald auf den Weg gemacht. Zuerst ging es am Ufer des North Mavora Lake entlang, wo wir einen Possum-Fallensteller getroffen haben. An einem Campingplatz haben wir kurz Pause gemacht und sind dann durch einen schönen Wald am South Mavora Lake und am Mararoa River entlang gewandert. 

In den Trail Notes stand, man solle sich gleich überlegen, ob der Fluss überquerbar wäre. Falls man in der nächsten Hütte übernachten hätte wollen, hätte man den Fluss am nächsten Morgen überqueren oder vier Kilometer zurück gehen müssen. Da die Antwort definitiv "nein" war, haben wir entschieden, an der Kiwi Burn Swingbridge unser Zelt aufzubauen. Dort haben wir einen perfekten Platz gefunden, den vor uns eindeutig schon andere Te Araroa-Wanderer genutzt haben.

Am North Mavora Lake
Am North Mavora Lake
Entspanntes Wandern
Entspanntes Wandern

Lange sind wir auch nicht allein geblieben: Aus der anderen Richtung kamen noch Fiona und Anthony aus Palmerston North und Claire aus Frankreich an, sodass wir ein richtiges kleines Te Araroa-Camp gebildet haben. Mit Fiona und Anthony haben wir über unser Equipment gefachsimpelt und die beiden haben uns eingeladen, bei ihnen in Palmerston zu übernachten. Sie werden zwar nicht dort sein, da sie weiter nach Norden laufen, aber wir dürfen ihre Kinder anrufen, wenn wir dort vorbeikommen.

Unser Zeltplatz
Unser Zeltplatz

Tag 56: Kiwi Burn Swingbridge bis Te Anau, 30 km

Die Nacht im Zelt war bitterkalt und ich habe ein bisschen bereut, dass ich meine warme Jacke schon vorausgeschickt habe. Am Morgen haben uns Fiona und Anthony aber einen heißen Kaffee spendiert, sodass wir uns wieder aufwärmen konnten. Die beiden waren vor zwei Jahren in Bayern und Anthony hatte sogar ein Taschentuch mit bayerischen Rauten darauf dabei. Ich freue mich schon, den Blog der beiden zu lesen, wenn wir angekommen sind. So können wir unseren Weg quasi noch einmal rückwärts miterleben. Falls jemand eine andere Perspektive sehen möchte: http://whiowhio.weebly.com/blog

Wir sind etwas später losgekommen, da wir noch mit den beiden geratscht haben. Für uns standen an diesem Tag aber sowieso nur langweilige 30 km auf einer Schotterstraße auf dem Programm. Wir hatten schon von drei verschiedenen Leuten, die nach Norden unterwegs waren, gehört, dass der offizielle Trail, der parallel zur Straße verläuft,  schrecklich überwachsen und kaum zu begehen sein soll und dass wir lieber auf der Straße bleiben sollten. Daran haben wir uns gehalten und es gibt dementsprechend nicht viel zu berichten. Es wurde tagsüber wieder heiß und wir sind etwa sechs Stunden ereignislos dahingelatscht, wobei wir von den vorbeifahrenden Autos und Wohnmobilen immer wieder eingestaubt wurden. Manche Leute nehmen Rücksicht und fahren etwas langsamer, andere eben nicht.

Am State Highway nach Te Anau angekommen, hat uns nach kurzer Zeit ein freundlicher Schaffarmer und Trailrunner aus der Gegend aufgesammelt, der uns direkt zum Hostel gebracht hat. Abends gab es Spaghetti Bolognese und wir haben mit Cyrill und Simon, die wir aus Queenstown kennen und hier zufällig wieder getroffen haben, noch ein Bier in einem Pub getrunken.

Jetzt geht es dann gleich wieder los. Wir haben schon eingekauft und trampen wieder zurück zum Weg. Die letzten Wandertage brechen an und wir sind schon ein wenig nostalgisch, auch wenn wir uns schon auf unsere Tour über die Nordinsel und dann auch auf Zuhause freuen. Wir melden uns voraussichtlich aus Invercargill wieder.