Tag 46 - 50: Von Wanaka über Arrowtown nach Queenstown (85 km)

Obwohl es uns in Wanaka gut gefallen hat, wurde es nach zwei Pausentagen doch Zeit, weiterzuwandern. Die Flitzpiependichte in unserer Unterkunft war schon ungewöhnlich hoch. Wir haben die Zeit dort noch genutzt, um ein Zimmer in Queenstown zu reservieren, das genau wie Wanaka um diese Zeit sehr ausgebucht ist, und eine wasserdichte und stoßfeste Outdoor-Kamera dorthin zu bestellen, die hoffentlich den Rest unseres Abenteuers übersteht.

Tag 46: Wanaka bis Fern Burn Hut, 25,5 km

In der Früh waren wir noch auf der Post und haben ein Paket mit unseren warmen Jacken und Regenhosen nach Invercargill vorausgeschickt. Bestimmt werden wir noch mal nass, aber wir sind mittlerweile in trockeneren und wärmeren Gefilden angekommen und wollten noch etwas Gewicht sparen. 

Nach einem kurzen Kaffeestopp haben wir uns dann recht spät auf die Socken gemacht. Zuerst ging es 16 km am Lake Wanaka entlang und schon nach kurzer Zeit waren wir bis auf vereinzelte Mountainbiker und Trailrunner wieder fast allein.

Lui - back in business
Lui - back in business

Mittags konnten wir den Campingplatz in der Glendhu Bay für unsere Pause nutzen. Es gab ein Eis und für mich noch Fish & Chips. Die Nähe zur Zivilisation hat schon ihre Vorteile! 

Die Farm neben dem Campingplatz hat außerdem einen Selbstbedienungsladen im Miniformat aufgestellt, in dem man Obst und Gemüse kaufen kann. Ich konnte nicht widerstehen und habe drei Stangen Rhabarber für unser Porridge am nächsten Morgen erworben. 

Am Lake Wanaka
Am Lake Wanaka
Einkauf am Wegesrand
Einkauf am Wegesrand

Nach einem kurzen Verbindungsstück auf einer Schotterstraße begann dann der Motatapu Alpine Track, der unter anderem über das Land einer Firma führt, die Shania Twain und einem Partner gehört. Bedingung dafür, dass sie das Land kaufen durften, war, dass sie einen Wanderweg anlegen mussten, der Wanaka und Arrowtown miteinander verbindet. Auch die zugehörigen Hütten haben sie bauen lassen. 

Die ersten zwei Stunden sind wir am Fern Burn, einem hübschen Bach, entlang gewandert. Jemand hatte mir erzählt, dass dort kürzlich jemand ertrunken sei, aber ich habe nichts darüber gefunden und es erscheint auch eher unwahrscheinlich, da der Bach, zumindest im derzeit trockenen Wetter, ziemlich harmlos wirkt. Wie Lui richtig angemerkt hat, hätte es höchstens König Ludwig geschafft, dort zu ertrinken. Wir waren jedenfalls froh über den Schatten und die relativ kühle Luft im Wald an diesem heißen Tag. Bevor wir die Fern Burn Hut erreicht haben, gab es noch einige steile Stellen zu überwinden. Wir waren sehr erleichtert, dass Luis Fuß in seinen neuen, in Wanaka gekauften Stiefeln dabei endlich keine Probleme mehr machte. Unterwegs haben wir uns schon mal darauf eingestellt, die Hütte eventuell wieder mit einigen anderen teilen zu müssen, und haben auf angenehme Zeitgenossen gehofft.

Kurz vor der Fern Burn Hut
Kurz vor der Fern Burn Hut

Das Glück war uns hold! In der Hütte hat außer uns nur ein junger Mann aus Leeds übernachtet, der nur für eine Nacht unterwegs war und uns netterweise etwas von seinem mitgebrachten Weißwein abgegeben hat. Wir konnten uns immerhin mit einer Stange Rhabarber revanchieren. Shania hätte auch eine bekommen, wenn sie uns beehrt hätte. 

Tag 47: Fern Burn Hut bis Roses Hut, 16,5 km

Gestärkt durch unser Rhabarber-Porridge haben wir am nächsten Morgen den Aufstieg zum Jack Halls Saddle, der auf 1.275 m liegt, in Angriff genommen. Dann ging es über einen Kamm recht steil nach unten zur wunderschön gelegenen Highland Creek Hut, auf deren Terrasse wir unsere Mittagspause verbracht haben. Da der nächste Abschnitt der anstrengendste des Motatapu Tracks sein sollte, haben wir noch ein bisschen entspannt und uns mental für den "memorable climb" gerüstet, der in den Trail Notes angekündigt war.

Pause vor der Highland Creek Hut
Pause vor der Highland Creek Hut

Fast wären wir einfach geblieben und hätten den Nachmittag gemütlich in der und um die Hütte verbracht, aber da wir ja in Queenstown gebucht hatten, konnten wir uns den Luxus leider nicht erlauben. 

So haben wir uns wieder aufgerafft und sind gleich langsam, aber stetig den extrem steilen Hang in der Hitze nach oben gekrochen. Der Rest des Tages ging im gleichen Stil weiter: steil hoch, steil nach unten und dann das Ganze wieder von vorne. Mittlerweile kann uns aber auch das nicht mehr schrecken.

Wasserbedarf nach einem der Anstiege
Wasserbedarf nach einem der Anstiege
Und dann wieder nach unten ...
Und dann wieder nach unten ...

An der Roses Hut haben wir Kirk aus Kalifornien getroffen, der seit 13 Tagen auf dem Te Araroa nach Norden unterwegs war. Er wollte eigentlich auch die ganze Südinsel gehen, hatte sich die Sache aber leichter vorgestellt und musste erkennen, dass ihm die Zeit bei Weitem nicht reicht. Er wollte also in Wanaka abbrechen und nur noch ein oder zwei Highlights abklappern.

Tag 48: Roses Hut bis Arrowtown, 23 km

An diesem Tag ging es schon wieder in einen Ort - in das ehemalige Goldgräberdorf Arrowtown. Der Motatapu Alpine Track wurde uns vorher als besonders schön beschrieben und schlecht war er auch nicht, aber das Gefühl, weit weg von allem zu sein, hat sich dort für uns nie eingestellt. Während der ersten Wochen unserer Reise war das noch ganz anders. Da hat uns manchmal schon ein kleines Zeichen menschlicher Zivilisation erfreut: "Schau mal! Ein Kuhfladen! Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum nächsten Bier!"

Morgens war es noch bewölkt, was zur Abwechslung sehr angenehm war, als wir knapp 500 Höhenmeter auf den Roses Saddle hinaufgestiegen sind. Anschließend ging es steil hinunter zum Arrow River, wo man zwischen zwei Optionen wählen kann: Bei hohem Wasserstand bleibt man oberhalb des Flusses und klettert ständig auf und ab. Wenn der Fluss nicht zu viel Wasser führt, kann man direkt im Flussbett bleiben, wofür wir uns entschieden haben. 

Über den Grat in Richtung Arrow River
Über den Grat in Richtung Arrow River

Der Weg durch den Fluss hat uns viel Spaß gemacht. Wir kamen an einem alten Goldgräbercamp vorbei und auf dem Weg flussabwärts kam auch die Sonne wieder heraus. Nach einigen Kilometern kommt man in Macetown heraus, einer Geisterstadt ohne Einwohner aus Zeiten des Gold Rush. Dort kamen uns auch schon wieder die ersten Ausflügler entgegen, zum Teil in Geländewägen auf einem Fahrweg für Allradfahrzeuge im und am Fluss. 

Weg durch den Arrow River
Weg durch den Arrow River

Dieser "Straße" mussten wir eine Weile folgen, bevor es auf einem ziemlich zugewucherten und schlecht markierten Weg noch einmal auf den 1.120 Meter hohen Big Hill Saddle hinauf ging. Ab dem höchsten Punkt waren wir dann im Tageswanderer-Einzugsgebiet von Arrowtown und sofort war der Weg wunderbar ausgebaut und gepflegt, sodass wir gemütlich in den Ort schlendern konnten.

Arrowtown zu unseren Füßen
Arrowtown zu unseren Füßen

Arrowtown ist sehr nett und beschaulich. Die alten Gebäude aus Goldsucherzeiten sind schön hergerichtet und es gibt gemütliche Cafés und Restaurants. Unser Zelt haben wir auf dem Campingplatz aufgebaut, um uns den Luxus einer Dusche zu gönnen. Anschließend saßen wir bei irischer Live-Musik, Burgern und Bier im Biergarten des "The Fork and Tap". Die Nacht im Zelt war leider nicht so geruhsam wie erhofft, da der Herr im Nachbarzelt im Schlaf gegrunzt hat wie eine Wildsau - und das ist nicht übertrieben. 

Tag 49: Arrowtown bis Queenstown, 20 km

Nach einem sehr guten Frühstück im Arrowtown Café sind wir losgetigert in Richtung Queenstown. Zur Abwechslung führte der Weg über einen Golfplatz und nach ein paar Kilometern über den Shotover River. Auf dem Fluss war gerade ein Jetboat unterwegs - ein eindeutiges Zeichen, dass es nicht mehr weit bis Queenstown war, das ja für alle möglichen Adventure-Aktivitäten bekannt ist. Hier wurde sogar das Bungy-Jumping erfunden. 

Baumriesen am Golfplatz
Baumriesen am Golfplatz
Jetboat auf dem Shotover River
Jetboat auf dem Shotover River

Bis zur Brücke über den Shotover war der Weg noch ganz hübsch, dann sind wir allerdings an einer Kläranlage entlang geschlappt und standen plötzlich in einem Industriegebiet in Frankton. Dort war unser Trail dann gesperrt, da er einer Großbaustelle weichen musste. Die einzige Alternative wäre der Seitenstreifen des vielbefahrenen State Highway gewesen und das muss nun wirklich nicht sein. Also: Daumen raus und schon am frühen Nachmittag waren wir in der Butterfli Lodge in Queenstown und konnten auf der Terrasse mit Blick auf den Lake Wakatipu ein kühles Bier genießen. 

Cheers!
Cheers!

Nachmittags haben wir den Ort erkundet. Es geht zu wie am Stachus, was für uns schon ein kleiner Kulturschock ist. Aber natürlich nutzen wir die Vorteile: Abends hat Lui hervorragende Spaghetti Vongole gekocht, dazu gab es einen feinen Weißwein und abends waren wir noch mit zwei Jungs aus dem Hostel in einem Pub und in einer Bar.

Tag 50: Pausentag in Queenstown, 0 km

Heute lassen wir es ganz ruhig angehen. Wir waren bei Fergburger, was wohl zum Pflichtprogramm hier gehört - die Burger sind auch wirklich erstklassig. Es geht ein ordentlicher Wind und nur die besten Surfer sind auf dem See. Das würde Stefan H. aus T. und Carlo S. aus F. sehr gefallen! 

Wie wir morgen zum Startpunkt unseres Trails am anderen Ufer des Sees kommen, wissen wir noch nicht genau. Wahrscheinlich müssen wir wieder improvisieren. Wir überlegen auch immer noch, spontan noch einen Tag länger hier zu bleiben. Einerseits, weil die Gegend um Queenstown wirklich schön ist, aber andererseits vielleicht auch, weil sich unsere Wanderung spürbar dem Ende neigt, was gerade ich gerne noch ein wenig hinauszögern möchte. Allerdings haben wir wenig Lust auf Touri-Pauschal-Unternehmungen. Lui recherchiert gerade, wie es mit Leihfahrrädern aussieht. Es soll in der Gegend ganz ansprechende Weingüter geben. Schauma mal ...