Exkurs: Der Deutsche am anderen Ende der Welt

Man muss es ja schon ehrlich sagen: Es gibt hier eine ganze Menge von uns. Das wird einem von Reisenden anderer Nationalität auch immer wieder unter die Nase gerieben und man hat fast schon das Bedürfnis, sich dafür zu entschuldigen. Wie an anderer Stelle schon erwähnt: Die meisten deutschen Landsmänner und -frauen, die wir hier treffen, sind sehr nett und repräsentieren unsere Heimat auf angemessene Weise. Eine große Gruppe machen die gerade Volljährigen aus, die ihr Abi in der Tasche haben und mal etwas anderes sehen wollen. Meist arbeiten sie ein bisschen nebenbei, um sich ihre Reise zu finanzieren, und sind voller Begeisterung, es so weit weg geschafft zu haben. Ich freue mich immer, sie zu treffen, und fühle mich ein bisschen an damals vor 16 Jahren erinnert, als ich selbst als Jungtier hier war. Damals sind mir allerdings bei Weitem nicht so viele Artgenossen über den Weg gelaufen. Aber es liegen eben auch einige "Herr der Ringe"- bzw. Hobbit-Filme dazwischen.

Gerade hier in Wanaka trifft man allerdings auch richtig große Gruppen deutscher Jugendlicher an. Da fragt man sich dann schon manchmal, warum sie extra ans andere Ende der Welt reisen, um dann hier auf einem Haufen zu sitzen, Blödsinn zu reden und Bier zu trinken. Das geht ja daheim auch ganz gut. Diese Sorte junger Deutscher ist auch häufig mit dem so genannten Kiwi Experience-Bus unterwegs. Da bezahlt man viel Geld dafür, dass man mit einem Bus, der die beliebtesten Touri-Spots anfährt, durch's Land gondelt. Das Ganze funktioniert nach demselben Prinzip wie die bekannten Hop-on-hop-off-Stadtrundfahrten - irgendwie wenig individuell.

Gestern wurden wir wieder Zeuge des Auftritts einer weiteren Kategorie deutscher Reisender in Neuseeland: Gegen Abend in der Küche unseres Backpacker-Hostels. Es wird friedlich in kleinen Gruppen unterschiedlicher Nationalität gekocht. Da treffen mit viel Tamtam Horst, Roswitha, Klaus-Dieter und Sieglinde aus Castrop-Rauxel ein (Namen und Ort sind frei erfunden und dienen nur zu Illustrationszwecken) - die Damen mit praktischer Frisur in modischem Aubergine, die Herren mit Plautze und Trekkingsandalen über weißen Tennissocken. Ihre vier wohlsortierten Proviantkisten platzieren sie strategisch klug im Küchenbereich und geben sogleich ihre neuesten interkulturellen Erfahrungen zum Besten: "Haste gesehen!? Der Käse kostet hier 8,99 das Kilo! Und die Aussicht ist auch nicht übel."

Da sind wir dann doch manchmal froh, dass nicht viele Neuseeländer sich die Mühe machen, unsere schöne, aber komplizierte Sprache zu erlernen. Nicht falsch verstehen: Es ist super, dass die Vier so weit reisen und die Welt erkunden, aber warum müssen sie ihre Herkunft so vor sich her tragen und jedes Klischee bestätigen? Naja, wahrscheinlich finden sie uns mit unseren muffigen Wanderstiefeln und unserer Bauarbeiterbräune auch merkwürdig.

Aber im Ernst: Neuseeland zieht uns Deutsche einfach an, weil es viel von dem bietet, wovon wir eher nicht so viel haben, zumindest in manchen Teilen unseres schönen Landes: wilde und unberührte Natur. Wie man diese dann erkundet, ist natürlich individuell ganz unterschiedlich und das ist ja auch recht so.

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