Tag 30 - 37: Vom Rakaia über den Rangitata und Lake Tekapo bis Twizel (201 km)

Bevor wir berichten, was uns in den letzten sieben Tagen auf dem Trail widerfahren ist, zuerst noch ein gutes neues Jahr und vielen Dank an alle, die das hier lesen, sich bei uns melden und uns so unterstützen! Wir freuen uns immer sehr darüber! 

Wir sind gestern Abend ziemlich gerädert im Ort mit dem schönen Namen Twizel angekommen und mussten erfahren, dass alles ausgebucht ist, weil jetzt Urlaubszeit ist und die Leute zum Angeln und Bootfahren auf den umliegenden Seen hierher kommen. Dabei hatten wir uns so auf eine Dusche, ein Bett und unseren wohlverdienten Pausentag gefreut! Aber dazu später mehr...

Tag 30: Glenrock Stream Trailhead bis Double Hut, 36 km

Morgens in Methven war noch völlig unklar, wie wir zum Wegeinstieg auf der Südseite des Rakaia kommen würden. Der Backpacker-Besitzer, Martin, hatte zwar netterweise eine Mitfahrgelegenheit bis zur Abzweigung in die Straße organisiert, die am Rakaia entlang führt, von dort aus sind es aber noch gute 35 km auf einer wenig befahrenen Schotterstraße, die irgendwann im Nichts endet und auf der meist nur die ansässigen Bauern ein Stück oder vereinzelte Tageswanderer unterwegs sind. Auf unser Glück hoffend, sind wir also gegen einen stürmischen Gegenwind losgestapft. Nach kurzer Zeit haben uns drei Traktoren überholt, aber leider sind alle aufs nächste Feld abgebogen. Da die Straße sonst gänzlich verlassen war, haben wir am nächsten Haus, das einladend aussah, beschlossen, unserem Glück auf die Sprünge zu helfen, und einfach an der Tür geklopft und gefragt, ob uns jemand (natürlich gegen Benzingeld und Aufwandsentschädigung) ein Stück die Straße hinauf fahren würde. Die junge Frau, die uns aufgemacht hat, war sehr nett, konnte aber selbst nicht fahren, da sie mit ihren beiden kleinen Kindern beim Frühstück saß und ihre Eltern aus England erwartet hat. Sie hat allerdings in der Nachbarschaft herumtelefoniert und einen Nachbarn (Julien, Mitte 60) aufgetrieben, der sich bereiterklärt hat, uns zumindest einen Teil der Strecke zu fahren. Unterwegs haben wir uns dann aber so nett unterhalten, dass wir plötzlich doch schon an unserem Weg waren bzw. fast darüber hinaus geschossen sind. 

Am ersten Anstieg hat sich der Rucksack wie immer nach einer Pause sehr schwer angefühlt. Man kommt sich vor wie eine Schildkröte mit einem zu großen Panzer, die den Hang hochkriecht. Wahrscheinlich liegt es auch an den Resten von "Town Food", die wir bis zur ersten Mittagspause oft noch mittragen. 

Im Hintergrund der Rakaia
Im Hintergrund der Rakaia

An der sogenannten A-Frame Hut haben wir eine erste kurze Pause eingelegt und dort ein Weihnachtsgeschenk von Nathan gefunden, der den Weg Richtung Norden geht und es dort für die nächsten Wanderer hinterlassen hat. Wir haben aber nur ein Stück Schokolade entnommen und den Rest den Nächsten gelassen, da wir ja gerade voll beladen waren. Den Gedanken fanden wir aber sehr nett und haben uns gefreut! 

Geschenk von Nathan
Geschenk von Nathan

In der nächsten Hütte, der Comyns Hut, wollten wir eigentlich übernachten, da es aber erst 15 Uhr und die Hütte nicht besonders einladend war, haben wir entschieden, das nächste Stück (offiziell 7 Stunden Gehzeit) auch noch anzupacken. Schließlich ist es hier momentan bis halb zehn oder sogar etwas länger hell. Ich möchte dabei betonen, dass die Initiative dazu nicht etwa von mir ausging, auch wenn mich böse Zungen gerne als den "Schinder" bezeichnen. 

So kam es auch zum neuen Streckenrekord, auch wenn das Terrain nicht gerade einfach war. Zuerst ging es am Round Hill Creek entlang, der unzählige Male überquert werden musste. Manchmal war der Fluss auch einfach der Weg.

Im Round Hill Creek
Im Round Hill Creek

Dann ging es noch einmal etwa 1.000 Höhenmeter hinauf und anschließend am Hang entlang durch Tussock und Speargrass, zwei Pflanzen, auf die ich noch näher eingehen muss.

Im Abendlicht sind wir schließlich müde und hungrig in der alten, aber gemütlichen Double Hut angekommen. 

Double Hut und Lake Heron im Abendlicht
Double Hut und Lake Heron im Abendlicht
Koch bei der Arbeit
Koch bei der Arbeit

Tag 31: Double Hut bis Lake Clearwater, 30 km

In der Früh sind wir etwas länger in unseren Schlafsäcken geblieben, da wir ja am Vorabend für unsere Verhältnisse spät ins Bett gekommen waren. Zehn Uhr abends ist ja bekanntlich Hiker's Midnight. Obwohl ein paar Mäuse die Hütte mit uns geteilt haben, haben wir ziemlich gut geschlafen. Ich schlafe mittlerweile in den Hütten oder im Zelt oft fast besser als in einem Bett.

Es war wieder sonnig, es ging jedoch ein kalter Wind, und der Weg führte uns über weite Grasflächen, wie so oft bewachsen mit unseren drei wichtigsten pflanzlichen Widersachern, die ich bei dieser Gelegenheit kurz vorstellen möchte: 

1) Tussock: Tussock sieht schön aus, vor allem, wenn es sich im Wind wiegt, und ist auch noch relativ hautfreundlich. Es kitzelt die Waden höchstens ein bisschen. Allerdings wächst es in Büscheln und kann ziemlich hoch werden. Wenn es dicht steht, sieht man außerdem den Boden dazwischen nicht mehr, wodurch der Gang sehr unrund werden kann, weil man Steine oder Löcher darunter nicht erkennt und leicht umknickt. Fies ist Tussock vor allem bei Nässe, da es dann auch noch rutschig werden kann. Alles in allem ist uns Tussock allerdings noch lieber als die Nummer 2 und 3, die jetzt folgen.

2) Matagouri: Dieses dornige Gewaechs steht mit Vorliebe am Wegrand oder wächst gleich als ganze Wand, die einem den Weg versperrt. Da ja ein Fluss eine meiner Gamaschen gefressen hat und ich noch keine Gelegenheit hatte, sie zu ersetzen, sind meine Unterschenkel mittlerweile ganz schön zerkratzt. Lui hat mir zwar galant seine angeboten, aber die sind mir zu groß und außerdem ist es ja auch egal, wer zerkratzt wird.

3) Speargrass: Und hier haben wir unseren absoluten Liebling, bei dem der Name Programm ist. Die Enden, dieses "Grases" sind so spitz, dass sie sogar eine Gore Tex ProShell-Hose oder Gamaschen durchstechen können. Außerdem verbirgt sich Speargrass gerne unter und zwischen Tussock und bohrt sich überraschend und hinterrücks in die Waden. Wunderbar! So habe ich zwischen den eher oberflächlichen Kratzern vom Matagouri auch noch viele kleine rote Punkte auf meinen Unterschenkeln. Aber ich will mich nicht beklagen. Was tut man nicht alles für eine schöne Aussicht!

Gegen Abend sah es an diesem Tag sehr nach Regen aus, sodass wir uns ein Stück oberhalb des Lake Clearwater schnell einen Zeltplatz gesucht haben. Es hat zwar über Nacht auch immer wieder etwas geregnet, aber unser Zelt hat dicht gehalten. Wir haben noch ein wenig gerätselt, ob wir es am nächsten Tag wirklich zu Fuss über den Rangitata schaffen würden, der nur noch neun Kilometer entfernt war. Der Rangitata hat ähnlich wie der Rakaia ein mehrere Kilometer breites Flussbett und besteht aus mehreren Armen. Es kann also durchaus sein, dass man es fast hinüber schafft, den allerletzten Arm dann aber nicht überqueren kann. Wir wollten aber auf jeden Fall unser Glück versuchen.

Tag 32: Lake Clearwater bis Crooked Spur Hut, 27 km

Morgens haben wir unser nasses Zelt eingepackt und sind sofort Richtung Rangitata aufgebrochen. Zum Frühstück gab es einen One Square Meal-Riegel, mittlerweile unser bevorzugter Energieriegel, im Gehen. 

Während wir auf den Rangitata zugewandert sind, haben sich die Wolken verzogen und die Sonne kam wieder heraus. Wir haben immer noch gerätselt, ob wir den Fluss wirklich überqueren würden können und schon fast überlegt, doch zu versuchen, herumzutrampen, wollten es dann aber auf einen Versuch ankommen lassen. Im Endeffekt sind wir auch sehr froh, dass wir es so gemacht haben, da das Flusstal wunderschön war und wir meist nur bis etwas über die Knie im Wasser waren. Nur der größte Arm war tiefer und hatte eine stärkere Strömung, ließ sich aber dank unserer mittlerweile ausgefeilteren Überquerungstechnik auch problemlos meistern. Als wir dann wussten, dass wir es geschafft haben, haben wir noch ein erfrischendes Bad im Fluss genommen.


Lui im Rangitata-Tal
Lui im Rangitata-Tal
Lupinen im Flussbett
Lupinen im Flussbett
Beim Überqueren
Beim Überqueren
Lui im Fluss
Lui im Fluss
Perfekter Badeplatz
Perfekter Badeplatz

Nachdem wir den Rangitata hinter uns gelassen hatten, wollten wir noch zur nächsten Hütte und mussten dazu einen Fluss hinauf, den wir wieder häufig überqueren mussten. Das war zum Glück kein Problem, da es in den Tagen zuvor hauptsächlich heiß und trocken war, aber wir hätten diesen Abschnitt - genau wie den Rangitata - nicht machen wollen, wenn es viel geregnet hätte.

An diesem Nachmittag wurde es noch einmal richtig heiß - um 18 Uhr hat die Sonne immer noch gebrannt - und bis zur Crooked Spur Hut mussten wir noch zwei megasteile Anstiege überwinden, sodass wir abends wieder ganz schön geschafft waren. So haben wir nach dem Abendessen völlig vergessen, alle unsere Vorräte wieder wegzupacken, und ich bin nachts aufgewacht, weil sich etwas daran zu schaffen gemacht hat. Lui hat dann auch prompt eine Maus dabei erwischt, wie sie ein Loch in unseren Tüte mit Haferflocken gebissen hat. Glücklicherweise war sie noch nicht weit gekommen und unser Frühstück war gerettet.

Tag 33: Crooked Spur Hut bis Royal Hut, 14 km

Da wir etwas müde von den Tagen zuvor waren und es die Abstände zwischen den Hütten begünstigt haben, wurde dieser Tag ein entspannter mit nur sieben Stunden Gehzeit. Zuerst mussten wir jedoch zu einem Sattel auf 1.500 Metern hochsteigen und dann durch Tussock bis zur Stone Hut auf und ab gehen, wo wir eine lange Mittagspause eingelegt haben. Als wir uns in Methven auf den Weg gemacht haben, dachten wir eigentlich, wir hätten übermäßig viel Essen dabei, aber zu diesem Zeitpunkt mussten wir schon wieder streng rationieren und waren ziemlich hungrig. Auf dem Weg zur Stone Hut hatten wir uns noch überlegt, wie wir unsere Vorräte einteilen müssen, um bis Lake Tekapo zu kommen, und was sahen wir da? Einen Metallschrank mit allen möglichen Fertiggerichten, Riegeln und sogar einer Dose Baked Beans mit Würstchen, die eine gute Seele hinterlassen hatte. Die Hütte wird oft auch von Jägern besucht, die wohl zu viel eingepackt hatten. Selten hat etwas so gut geschmeckt wie diese Dose Baked Beans!

Lui bei dem, was wir gerne als "Abschottern" bezeichnen
Lui bei dem, was wir gerne als "Abschottern" bezeichnen
Mal wieder im Tussock
Mal wieder im Tussock
Glücklich über gefundenes Fressen vor der Stone Hut
Glücklich über gefundenes Fressen vor der Stone Hut

Da wir ja viel Zeit hatten, hat Lui nach dem Essen noch ein Schläfchen gehalten und ich habe einen großen Afternoon Tea eingenommen. Am Spätnachmittag hatten wir dann noch zwei Stunden bis zur Royal Hut zurückzulegen, die so heißt, weil Prinz Charles und Prinzessin Anne als Kinder wohl mal dort übernachtet haben. Ob sie wohl zu Fuß dorthin gelaufen sind?

Auf dem Weg haben wir noch jede Menge Thare gesehen, Bergziegen, die zu Jagdzwecken aus dem Himalaya eingeschleppt wurden. An einem Hang konnten wir 61 Stück zählen.

Eine Gruppe Thare am Gegenhang
Eine Gruppe Thare am Gegenhang

Die Royal Hut haben wir uns mit Liam und Orla aus Calgary geteilt, die dort für mehrere Tage ihr Basislager aufgeschlagen hatten und Tagestouren in der Gegend unternommen haben. Die beiden waren die ersten Menschen, die wir auf diesem Abschnitt getroffen haben und wollten auch Silvester in der Hütte verbringen. Wir hatten aber beschlossen, am nächsten Tag nach Lake Tekapo abzusteigen, um ein bisschen unter Leute zu kommen und auf das neue Jahr anzustoßen. Dazu mussten wir aber erst noch den höchsten Punkt des Te Araroa, den Stag Saddle überwinden, und haben uns deshalb für den nächsten Morgen einen Wecker um sechs Uhr gestellt.

Tag 34: Royal Hut bis Lake Tekapo, 25 km

So haben wir in der Früh zeitig zusammengepackt und uns möglichst leise aus der Hütte geschlichen. Leider hatte es über Nacht angefangen zu regnen und wir sind im Nieselregen losgezogen. Frühstück gab es wieder auf die Hand, da wir Orla und Liam nicht stören wollten. Gerade für diesen Tag hatten wir eigentlich auf gutes Wetter gehofft. Vom Stag Saddle kann man nämlich entweder durch ein Tussock-bewachsenes Tal ohne Aussicht nach Lake Tekapo absteigen oder die Alternativroute über einen Kamm wählen, von dem aus man den See und die umliegenden Berge sieht. Wir wollten natürlich den Kamm überschreiten, keine Frage.

Zuerst mussten wir jedoch auf den Sattel hinauf, der mit knapp 2.000 Metern der höchste Punkt des Te Araroa ist, aber wesentlich einfacher zu erklimmen war als andere Stellen, die wir schon hinter uns haben. Kurze Abschnitte waren steil und der Wind hat uns ordentlich angeblasen, aber sonst war der Aufstieg problemlos.

Blick vom Stag Saddle ins Tal - leider war die Sicht nicht besonders
Blick vom Stag Saddle ins Tal - leider war die Sicht nicht besonders

Oben angekommen, sah es kurz so aus, als würden die Wolken aufreißen, und wir konnten den Lake Tekapo erkennen. Da wir uns so auf den Kamm (rechts im Bild oben) gefreut hatten, wollten wir es also probieren und haben uns auf den Weg nach oben gemacht. Der Wind war allerdings immer noch böig und stürmisch und auf halbem Weg nach oben hatten wir plötzlich kein gutes Gefühl mehr bei der Sache und haben doch den Weg ins Tal eingeschlagen. Darüber waren wir eine halbe Stunde später, als ganz plötzlich ein heftiges Gewitter aufgezogen ist, auch sehr froh. Wir haben die Beine in die Hand genommen und sind wie zwei Störche im Tussock-Salat ins Tal geeilt, um möglichst schnell die nächste Hütte zu erreichen. Kurz bevor das Gewitter kam, sind uns noch zwei Wanderer auf dem Weg zum Sattel entgegengekommen und wir hoffen sehr, dass sie wohlbehalten auf der anderen Seite angekommen sind.

Völlig durchnässt und leicht entnervt von der hektischen Tussock-Stolperei sind wir schließlich in der Camp Stream Hut angekommen, wo wir uns halbwegs trockenlegen und etwas essen konnten. Als wir nach einer Viertelstunde wieder die Tür aufgemacht haben, war auf einmal keine Wolke mehr am Himmel. Wenn die Neuseeländer sagen, ihr Wetter sei wechselhaft, dann übertreiben sie nicht!

Letzte Wolkenreste kurz nach dem Gewitter
Letzte Wolkenreste kurz nach dem Gewitter

Auf dem Weg hinunter bis zur Straße saßen uns weitere schwarze Wolken im Nacken, aber der Weg wurde wieder deutlich einfacher und angenehmer. Wir wollten uns einige Kilometer an einer Teerstraße vor Lake Tekapo ersparen, und haben deshalb ein Pärchen aus England angesprochen, das gerade an einem Aussichtspunkt Fotos gemacht hat, ob sie uns mit in den Ort nehmen könnten. Ellie und Kevin waren supernett und hilfsbereit, haben uns sofort mit Äpfeln, Getränken und Riegeln versorgt und Platz in ihrem Auto geschaffen. Sie haben uns außerdem erzählt, dass unser schlechtes Wetter ein paar Kilometer weiter am Mount Cook, dem mit 3.750 Metern höchsten Berg Neuseelands, ein richtiger Sturm war und dass dort drei Bergsteiger, zwei davon aus Bayern, vermisst werden. Traurigerweise gibt es wohl mittlerweile keine Hoffnung mehr, dass sie noch lebend gefunden werden.

Schlechtwetterfront hinter uns
Schlechtwetterfront hinter uns
Blauer Himmel vor uns
Blauer Himmel vor uns

Wir hatten gehört, dass Lake Tekapo sehr beliebt und häufig ausgebucht ist, und hatten deshalb nicht damit gerechnet, am 31.12. noch ein Bett für die Nacht zu finden. Wir wollten es wegen des Wetters aber zumindest versuchen und hatten prompt Glück: im Backpacker-Hostel waren noch zwei Betten in einem Viererzimmer frei, das wir uns mit einem Kanadier geteilt haben. Dort haben wir auch Paul wiedergetroffen, der uns in den Richmond Ranges zum ersten Mal über den Weg gelaufen ist.

Wir konnten heiß duschen und waren dann bei Steak, Burgern und Bier in einer Kneipe im Ort und später noch mit Paul in unserem Hostel zusammengesessen, um das neue Jahr einzuläuten. Ein paar Bier und etwas Wein sind auch geflossen, aber wir wollten am nächsten Tag weiterwandern und haben es deshalb nicht zu feuchtfröhlich werden lassen.

Paul hat ein sehr sinnvolles Wanderkonzept: Er folgt im Prinzip dem Te Araroa von Norden nach Süden, lässt aber alle Teile aus, die ihn nicht interessieren, und macht stattdessen Ausflüge in andere Ecken. So haben wir am 1. Januar noch einen Kaffee zusammen getrunken, er ist zum Mount Cook aufgebrochen und wir sind losgelatscht in Richtung Twizel - es sollten nicht die spannendsten zwei Tage werden und wir mussten Paul in Gedanken mehrfach zu seiner Herangehensweise gratulieren. Mittlerweile sind wir aber so weit gekommen, dass wir den Weg schon - bis auf ein paar Stücke an Teerstraßen entlang - komplett gehen möchten. Ich habe ein wanderteaminternes Abrechnungskonzept entwickelt: Die Kilometer, die wir aufgrund von Hässlichkeit, Langweiligkeit oder Nichtbegehbarkeit auslassen, werden im Anschluss auf schöneren Wegen nachgeholt. Ein bisschen haben wir uns also schon an Pauls Methode orientiert.

Tag 35: Lake Tekapo bis Lake Pukaki, 32 km

Gestartet sind wir am ersten Tag des neuen Jahres natürlich spät. Zuerst mussten wir 5 km am State Highway entlang, was wir diesmal auch tatsächlich gemacht haben. Der Rest des Weges ging auf einer Schotterstraße dahin, die allerdings nicht stark befahren war. Das Wetter war schön, die Blumen haben geblüht und die Aussicht war auch wunderbar, sodass sich dieser Roadwalk-Tag noch ganz angenehm gestaltet hat.

Gegen Abend haben wir am Lake Pukaki unser Zelt in einer geschützten Bucht aufgestellt, haben gebadet und sind früh in den Schlafsack gekrochen.

An Lupinen vorbei auf die Berge zu
An Lupinen vorbei auf die Berge zu
Pause im Schatten
Pause im Schatten
Unsere Bucht am Lake Pukaki
Unsere Bucht am Lake Pukaki
Unser Zeltplatz
Unser Zeltplatz

Tag 36: Lake Pukaki bis Twizel, 37 km

Gestern haben wir zwar einen neuen Streckenrekord aufgestellt, können aber über den Weg an sich nicht viel Positives berichten. Es ging flach auf Schotter und kurz sogar auf Teer dahin, unsere Füße wurden immer platter und alles tat weh. Es wurde Zeit für eine Pause und wir hatten auch nicht damit gerechnet, in Twizel Probleme bei der Quartiersuche zu haben, weil es eigentlich einige Unterkünfte gibt. Als wir ziemlich abgekämpft hier ankamen, haben wir aber nur "No Vacancy"-Schilder gesehen und auch überall, wo wir nachgefragt oder angerufen haben, war alles ausgebucht. Schließlich hatten wir doch noch Glück und haben wohl die zwei letzten freien Betten in Twizel ergattert, weil jemand anderes unentschlossen war. Auch alle Restaurants waren sehr voll und wir haben erst um halb zehn etwas zum Abendessen bekommen, aber wir waren trotzdem froh! Zwei Neuseeländer haben uns dann noch auf ein paar Bier eingeladen und wir hatten es sehr lustig.

Tag 37: Pausentag in Twizel, 0 km

Heute machen wir das, was wir meist an Pausentagen tun: Blog schreiben, essen, ruhen, Wäsche waschen, neue Vorräte kaufen. Die beiden Jungs von gestern wollten uns mit zum Angeln nehmen, aber es ist wieder heiß und wir haben so viel zu erledigen, also haben wir ihnen gesagt, wir helfen ihnen, den Fisch zu essen, falls sie erfolgreich sind.

Hier noch ein kurzer Exkurs für die Freunde der Statistik:


  • Bisher zu Fuß zurückgelegte Kilometer: 719
  • Ausgelassene Kilometer (Straße usw.): 67
  • Zusätzlich gelatschte Kilometer (um Flüsse herum usw.): 19
  • Länge des Te Araroa auf der Südinsel in km: 1.309
  • Nächte im Zelt: 5
  • Nächte in Hütten: 18
  • Nächte in Backpacker-Hostels: 13


Wir verabschieden uns für heute und melden uns nächstes Mal in fünf oder sechs Tagen aus Wanaka. Da es dort nett sein soll, werden wir's uns eventuell besonders gut gehen lassen und zwei Pausentage machen. Lui will schon seit einiger Zeit ins Kino und den neuen Hobbit-Film sehen, was sich hier natürlich anbietet, weil man viele Landschaften (Tussock!) wiedererkennt, aber bisher hatten wir keine Gelegenheit. Bis dahin!