Tag 26 - 29: Harper River Track, Lake Coleridge und Methven (70,5 km)

Seit gestern Nachmittag sind wir in Methven und nachdem unser Heiligabend eher unspektakulär war, haben wir doch noch einen schönen Weihnachtstag verbracht. Hier ist perfektes Weihnachtswetter für hiesige Verhältnisse: heiß und sonnig.

Unsere letzten drei Wandertage waren zur Abwechslung wirklich mal Wandertage und nicht Kletter-, Rutsch- und Kriechtage. So sind wir auch ganz gut vorangekommen und können uns einen freien Tag über Weihnachten erlauben.

Tag 26: Cora Lynn Carpark bis Hamilton Hut, 17 km

Nach einem großen Frühstück in Arthur's Pass haben uns zwei junge Männer aus Israel wieder zurück an den Trail gefahren, obwohl sie eigentlich in die andere Richtung wollten. Der Weg führt nämlich nicht direkt durch den Ort. Da wir noch in der Nähe von Arthur's Pass waren, das relativ touristisch ist, durften wir auf einem richtigen Wanderweg wandern, der perfekt in Schuss war! Keine riesigen umgefallenen Bäume, keine Erdrutsche und vor allem Serpentinen! Wir waren begeistert. Beim Aufstieg zum Lagoon Saddle hatte man außerdem wunderbare Blicke auf den Arthur's Pass National Park, aus dem wir gerade gekommen waren.

Unterwegs haben wir eine junge Frau aus Israel getroffen, die es selbst auf diesem einfachen Weg geschafft hatte, ihren Wanderpartner zu verlieren, sich Sorgen um ihn gemacht hat und uns gebeten hat, nach ihm Ausschau zu halten, da wir in die andere Richtung unterwegs waren. Sie hat ihn als tollpatschig beschrieben und wir haben schon befürchtet, ihn in irgendeinem Graben liegend zu finden. Etwa eineinhalb Stunden später kam er uns dann allerdings ganz entspannt entgegen geschlendert. Er hatte wohl einfach Probleme, den Weg immer sofort zu finden, und wirkte wirklich sehr zerstreut, aber wir waren froh, dass wir unseren Notfallknopf nicht aktivieren mussten, und haben ihm verbal Beine gemacht, da seine Begleiterin angekündigt hatte, die Bergrettung zu alarmieren, falls er nicht bald auftauchen würde.

Übernachtet haben wir in der schönen und gemütlichen Hamilton Hut zusammen mit einem Pärchen aus der tschechischen Republik, das in Auckland lebt und arbeitet. Die beiden waren keine großen Wanderer, nach ihrer Tour völlig fertig und fanden uns sehr verrückt.

Nachdem die beiden gesehen haben, was wir so essen, haben sie uns am nächsten Morgen, also am 24.12., eine Salami und eine Packung Nudeln geschenkt - unsere ersten Weihnachtsgeschenke!

Lui vor der Hamilton Hut
Lui vor der Hamilton Hut

Abends hat uns an der Hütte auch noch ein Kea einen Besuch abgestattet. Lui hatte schon lange gehofft, einen aus der Nähe zu sehen. Wir haben schnell unsere Sachen in Sicherheit gebracht, damit er nichts klaut.

Neugieriger Besucher
Neugieriger Besucher

Tag 27: Hamilton Hut bis Lake Georgina, 35,5 km

Da wir wussten, dass der Weg an diesem Tag einfach und flach werden würde, nämlich erst am Fluss entlang und später über Feldwege und Schotterstraßen, haben wir uns vorgenommen, so weit wie möglich zu kommen. Es war wieder sonnig und heiß, wir hatten aber teilweise auch einen ordentlichen Rückenwind, der das Vorankommen noch vereinfacht hat.

Von Lui habe ich zu Weihnachten eine Kea-Feder bekommen, die ich allerdings leider schon am selben Tag wieder verloren habe, und mein Geschenk an Lui war eine Flasche Bier. Am Lake Georgina hat nämlich außer uns noch ein älteres Ehepaar gecampt und ich konnte dem Herrn ein Fläschchen abschwatzen. Als Weihnachtsessen gab es Kartoffelbrei und dann noch ein Backcountry Meal mit Nudeln. Für etwas Stimmung haben die Christbaumanhänger gesorgt, die wir von Wolfgang und Monika ganz am Anfang unserer Wanderung in Anakiwa geschenkt bekommen haben.

Heiligabend im Zelt muss man wirklich nicht jedes Jahr haben, vor allem, da wir beide Weihnachten wirklich gerne mögen und unsere Familie schon vermisst haben. Aber das machen wir in der Form wahrscheinlich nur einmal.

Blumenmeer an Heiligabend
Blumenmeer an Heiligabend
Unser weihnachtlicher Zeltplatz am Lake Georgina
Unser weihnachtlicher Zeltplatz am Lake Georgina
Weihnachtsessen im Zelt
Weihnachtsessen im Zelt

Tag 28: Lake Georgina bis Lake Coleridge Village, 18 km

Am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags, an dem hier in Neuseeland Weihnachten gefeiert wird, normalerweise feuchtfröhlich, haben wir uns in Richtung Coleridge Village aufgemacht. Das Dorf liegt am Rakaia River, den das Department of Conservation als Gefahrenzone einstuft. Das heißt, man soll nicht versuchen, den Fluss zu überqueren, sondern muss irgendwie bis zur nächsten Brücke, die 20 km flussabwärts liegt, und dann 40 km am anderen Flussufer wieder in die andere Richtung kommen. Es sagt einem allerdings niemand, wie das funktioniert. In den Trail Notes steht einfach nur, man solle die Unterbrechung als natürliches Hindernis wie die Cook Strait, also die Meerenge zwischen Süd- und Nordinsel, betrachten - nur, dass über die Cook Strait Fähren fahren und über den Rakaia leider nicht.

Wir haben es also mit trampen versucht, aber wie zu erwarten war, war am Weihnachtstag auf einer entlegenen Landstraße nicht besonders viel Verkehr. Wir haben uns also auf die Socken gemacht und sind an der Straße entlang losgetigert. Nicht besonders beglückend, aber es half ja nichts ...

Einige Autos mit Ausflüglern kamen dann auch vorbei, die waren aber entweder voll besetzt oder haben uns geflissentlich ignoriert. Nach etwa sechs Kilometern dachten wir schon, unser Glück hätte uns verlassen. Lui ist an einer Brücke zu einem Fluss hinunter geklettert, da wir kein Wasser mehr hatten. In dem Moment kam ein Auto mit zwei jungen Männern daher, ich habe versucht, möglichst bittend dreinzuschauen, und die beiden haben tatsächlich angehalten. Ob es daran lag, dass eine einzelne Frau eher mitgenommen wird? In Zukunft verstecken wir Lui vielleicht öfter hinter einem Busch.

Die zwei wollten nach Christchurch und haben uns an der nächsten größeren Kreuzung abgesetzt. Das nächste Auto, das uns nach Methven gebracht hat, hat dann innerhalb von zwei Minuten angehalten. Der Mann war sehr nett, hat uns noch Reisetipps gegeben und seinen Autoatlas geschenkt. Wir wollten nicht ablehnen, auch wenn wir ihn nicht mittragen können.

In Methven sah alles geschlossen aus, aber wir haben uns an einem kleinen Haus absetzen lassen, das nach einem Hostel aussah und vor dem zwei junge Frauen im Garten saßen. Sie haben uns verschwitzt und bepackt aussteigen sehen und uns kurzerhand ins Haus eingeladen, das ihre Familie über Weihnachten komplett gemietet hatte, uns ein Weihnachtsessen, Wein und Bier serviert und auch noch beschenkt. Es gab einen Eimer voller Kekse, Pralinen und eine blinkende Weihnachtskette für mich. Unsere Gläser wurden immer wieder gefüllt.

Eine Backpacker-Unterkunft haben wir dann auch noch gefunden, deren Besitzer, Liz und Martin, zwar auch gerade bei den Weihnachtsfeierlichkeiten waren, uns aber herzlich aufgenommen und auch noch mit Wein und selbstgebackenen Keksen versorgt haben. Später waren wir noch auf eine kalorienreiche Nachspeise bei der Familie von Debs und John eingeladen und haben mit ihnen die Weihnachtsrede der Queen im Fernsehen geschaut.

Nach einem kurzen Bad im eiskalten Lake Coleridge
Nach einem kurzen Bad im eiskalten Lake Coleridge
Billie, der Weihnachtshund
Billie, der Weihnachtshund
Geschenke
Geschenke

Tag 29: Weihnachtsurlaub in Methven, 0 km

Jetzt sind wir in der wunderbaren Redwood Lodge und machen heute Weihnachtsurlaub. Es ist heiß und sonnig und wir können hier im Garten sitzen, entspannen und uns in der perfekt ausgestatteten Küche etwas kochen. Außerdem will Martin uns helfen, morgen wieder in Richtung des Trails auf der anderen Flussseite zu kommen.

Wenn man also leicht frustriert ist und sich ganz unweihnachtlich fühlt, muss man einfach nur nach Methven kommen. Merry Christmas!

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Kommentare: 8
  • #1

    Anna (Freitag, 26 Dezember 2014 08:11)

    Frohe Weihnachten, ihr zwei!!!!! Wir vermissen euch hier auch sehr! Aber so ein Weihnachten ist auch was ganz besonderes (habe mindestens 5min das Bild mit eurem Zelt am See bewundert). Fühl euch ganz fest umarmt :-*

  • #2

    M&M (Freitag, 26 Dezember 2014 09:38)

    Die Beiträge sind immer wieder sehr spannend, sehr sehr kurzweilig und die Landschaftsaufnahmen einfach wunderschön. Genießt die Zeit in Neuseeland. In Obb ist heute Nacht der Winter eingebrochen und in der kommenden Woche soll es zweistellig in die Minusgrade gehen. Weihnachten war natürlich nicht wie immer. Die Bescherung müssen wir halt im Februar nachholen. Weiterhin einen guten Weg und viele nette Leute auf dem Weg.

  • #3

    V&W (Freitag, 26 Dezember 2014 19:42)

    Ein Hallo und FROHE WEIHNACHTEN von Veronika und Wolfgang.
    Wir wandern mit Euch und machen heute auch mal Pause zum Weihnachtfeiern.
    Paßt auf Euch auf und laßt es Euch gut gehen.

  • #4

    Bernd F. Schaller (bfs) (Freitag, 26 Dezember 2014 20:59)

    Hallo Kristina und Lui, ich habe mit Aufmerksamkeit die bisherigen Tage verfolgt. Auf diesem Weg auch von mir frohe, entspannende, mit vielen neuen Eindrücken und Erlebnissen gefüllte Weihnachtstage! Freue mich schon wie das Kind auf's Christkind auf den nächsten Bericht. Ich schick noch zwei große Schutzengel mit auf den Weg (ich hab mir sagen lassen, die können man immer mal gebrauchen)!

  • #5

    Jo (Samstag, 27 Dezember 2014 16:06)

    Frohes Festl noch so im Nachhinein!! Weiterhin viel Erfolg und alles Gute!!
    Hammer Bilder und nice Stories!

  • #6

    Anja (Dienstag, 30 Dezember 2014 22:53)

    Hola und liebe Grüße aus Barcelona. Ich hoffe es geht euch gut und ihr übersteht eure aktuelle Etappe gut. Tolle Leistung, tolle Bilder und mit Sicherheit ein einzigartigesartiges Erlebnis

  • #7

    Anja (Dienstag, 30 Dezember 2014 22:55)

    Ach ja... Und einen außergewöhnlichen Rutsch ins neue Jahr

  • #8

    Vroni (Mittwoch, 31 Dezember 2014 14:05)

    Wir wünschen euch auch einen guten Rutsch und gesundes und gutes neues Jahr! Liebe Grüße aus Mittenwald, Erik und Vroni